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 Erste Bürgerschule stand auf der Esplanade in Eisenach

Die heutige Georgenschule war die erste Bürgerschule in Eisenach. Sie ist 1825 eingeweiht worden. Bei der baulichen Gestaltung vor allem des Treppenhauses hat Johann Wolfgang von Goethe ein Wort mitgeredet. Foto: Katja Schmidberger

08. Februar 2018 / 02:30 Uhr


Eisenach. Der Eisenacher Stadtrat hatte schon immer mit knappen Finanzen zu kämpfen. Das wurde im Vortrag von Barbara Schwarz am Dienstagabend deutlich. Auf Einladung des Geschichtsvereins sprach sie im Nachbarschaftszentrum in der Goethestraße zur Entwicklung des Schulwesens in Eisenach im 19. Jahrhundert. Ihr erster Vortrag hatte die Zeitspanne vom Mittelalter bis zur Goethezeit beleuchtet. Am Dienstagabend folgte die Fortsetzung.


Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung. Der Arbeiter, der beispielsweise die erste Kammgarnmaschine bedienen musste, benötigte allgemeine Kenntnisse. Die Wissensvermittlung in den Elementar- oder Stadtviertelschulen reichte nicht mehr aus. 1817 führte Großherzog Carl August die Sonntagsschule wieder ein, die nach dem Kirchgang stattfand. Der Unterricht wurde vom Pfarrer und Lehrer gehalten.


Lehrer wurden erstmals sozial abgesichert, erhielten 100 Taler, einschließlich Naturalien, und später eine Rente. „Das ist auf das Wirken der Klassiker zurückzuführen“, betonte Barbara Schwarz. In Eisenach gab es seit 1818 ein Lehrerbildungsinstitut. Anfangs war es in die Lateinschule (das heutige Luther-Gymnasium) integriert. Später hatte es ein eigenes Haus am „Schwarzen Brunnen“, das nicht mehr steht. Kinder, die kein Schulgeld zahlen konnten, sind in der Freischule zusammengefasst worden. Diese wurde mit dem Lehrerseminar verbunden, und die Seminaristen hatten dort ihre Schulproben abzuhalten. Nach einer Verordnung von 1821, wonach sich Kinder in der Schule „wohlzufühlen haben“, entschied sich der Stadtrat zum Bau einer Bürgerschule. Doch das Stadtsäckel gab die erforderlichen 14 000 Taler nicht her. Der Großherzog sah aber die Notwendigkeit ein und unterstützte das Vorhaben.


Auf der Esplanade entstand die erste Bürgerschule (heutige Georgenschule), die 1825 eingeweiht worden ist. Johann Wolfgang von Goethe hatte ein Wort bei der baulichen Gestaltung mitgeredet. Bis auf eine Stadtviertelschule für die kleinen Kinder in Fischbach sind alle anderen Schulen aufgelöst worden. 859 Schüler wurden in der ersten Bürgerschule – getrennt nach Geschlechtern – unterrichtet. Doch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts platzte das Haus aus allen Nähten. In einem Bericht beklagt der damalige Schuldirektor „Rohheit und Stumpfsinn“ bei einem Drittel in jeder Klasse. 100 Schüler wurden in einem Raum unterrichtet. Die Konsequenz war die Einrichtung einer zweiten Bürgerschule am Jakobsplan. Das Gebäude steht nicht mehr. Hauptsächlich sind dort Kinder unterrichtet worden, deren Eltern das Schulgeld nicht bezahlen konnte. Das Lehrerseminar wurde an diese Bürgerschule verlegt.


Die Lateinschule entwickelte sich in dieser Zeit zu einem humanistischen Gymnasium mit den Schwerpunkten: klassische Sprachen, Schreibart, Vortrag, Geschichte, Philosophie und Mathematik. Die Schülerzahlen, so wies Barbara Schwarz hin, sind zurückgegangen. Das Bürgertum wollte nicht unbedingt, dass seine Kinder die Voraussetzung erwarben, an einer Universität zu studieren. Sie sollten lesen, schreiben, rechnen sowie praktische Fähigkeiten fürs Berufsleben lernen. So bildete sich eine Realschule, die schnell zu einem Realgymnasium wurde. Daraus entwickelte sich das heutige Ernst-Abbe-Gymnasium. Der Schwerpunkt lag auf den Naturwissenschaften. Der erste Direktor der Realschule sicherte sich beim Stadtrat ein Rederecht zu Schulthemen sowie die Unterstützung von 600 bis 700 Talern.


Ende des 19. Jahrhunderts gab es zwei Bürgerschulen, zwei Gymnasien, das Lehrerinstitut sowie eine Reihe von Fortbildungseinrichtungen als Vorläufer beruflicher Schulen. Eine Besonderheit war die Industrieschule für junge, schulentlassene Mädchen aus armen Verhältnissen. Dort kommt Julie von Bechtolsheim, die Goethe-Vertraute, ins Spiel. Sie war die Vorsitzende des Frauenvereins, der die häusliche Ausbildung finanzierte. Der Frauenverein betrieb dank Spenden auch den ersten Kindergarten, damals „Kleinkinderschule“. Auch dafür hatte der Stadtrat kein Geld.


Nächster Vortrag am 6. März, 18.30 Uhr, Nachbarschaftszentrum, zu „Afrika und August Stauch“.


Birgit Schellbach / 08.02.18