Geschichtsverein Eisenach e.V. © zuletzt geändert am :  13.06.2017 / 14:38 Uhr   | Impressum

Di 10.12.2013 18:30 -   Geschichte des Parks „Pflugensberg“

                                         Vortrag von Prof. Frank Blecken:

Zurück

      

Die Eisenacher Industriellenfamilie von Eichel-Streiber kaufte den Pflugensberg und ließ ihn in den Jahren 1841-1844 von dem bekannten Gartenkünstler Carl Eduard Adolph Petzold, einem „Schüler“ des Fürsten Hermann Pückler-Muskau, in einen Landschaftsgarten umbauen.

Die Parkgestaltung war ein dauerhafter Prozess, da im Laufe der Zeit ständig Flächen dazu gekauft wurden.

Das schlossartige Villengebäude wurde 1889 - 1892 von zwei renommierten Frankfurter Architekten des Historismus für Friedrich Eduard von Eichel-Streiber an exponierter Stelle in der Mitte des Parks errichtet.

Zeitgenossen berichten weit über die Grenzen der Stadt hinaus von der „so schön angelegten Parkanlage des kunstsinnigen Herrn Baron Friedrich Eduard von Eichel-Streiber zu Eisenach“, deren Blütezeit um 1900 lag.

Ab 1890 wirkte hier etwa 10 Jahre lang der große Gartenkünstler und Gartenschriftsteller Max Bertram, ein „Schüler“ von Peter Joseph Lenné. Bertram prägte den Park durch eine intensivere Gestaltung im Stil der Gartenkunst des Historismus. Er schuf einen Landschaftspark, dessen Kapital die damals bereits vorhandenen Großbäume waren, die heute allerdings aufgrund des Kronenwachstums viel zu dicht stehen. Im Nahbereich der Villa gab es geometrisch exakt gearbeitete und mit Blumen bepflanzte „Teppichbeete“. Leicht vertieft gelegte Wege führten zu kleinen Gehölzgruppen, hinter denen neue Blickwinkel in die Umgebung auf den Spaziergänger warteten. Vom Pflugensberg bot sich ein „Sichtenfächer“ mit herrlichem Panoramablick bspw. auf die Wartburg, ins Mariental oder die Hörselebene.  

Der 54 Meter über der Stadt liegende Ort war einmalig privilegiert: man sah und wurde gesehen!


Weil ja bekanntlich Wasser die Seele eines Gartens ist, entwickelte Bertram ein großes ausgeklügeltes verdecktes System von Leitungen zur Bewässerung des Parks. Eine eigene Gärtnerei kümmerte sich um die aufwendigen Teppichbeete und Pflanzungen auf dem topografisch bewegten Gelände.

Bertram fand hier ideale Arbeitsbedingungen und einen aufgeschlossenen finanzkräftigen Bauherren, der ihm viele Freiheiten ließ. Dabei galt es, den alten Baumbestand zu schonen und vorhandene Sichtachsen beizubehalten bzw. einzufügen. Neue Erlebnisschwerpunkte im Park wurden geschaffen, wie ein Tennisplatz und ein Rosengarten.


Während das Landhaus solide gebaut und immer noch ein Blickfang ist, aber derzeit ohne Nutzung, verliert der Park nach und nach sein historisches Gesicht.

Aus dem Altbaumbestand im ca. 150-jährigen Park ist im Laufe der Zeit ein dichter Hochwald geworden. Die Blickbeziehungen nach außen, aber auch im Inneren des Parks, sind zum Teil verloren gegangen. Der Pflugensberg ist heute weitgehend von Bebauung umgeben. Die Vegetation befindet sich in einem sehr naturhaften Zustand. Auf verschiedenen Wegen liegt nur noch der grobe Schotter. Die langen hohen Stützmauern entlang der Zufahrtstrasse sind marode. So manches ist aus dem Lot gekommen. Die einstige Schönheit des privaten Parks ist nur noch zu erahnen.


Das eigentliche Potenzial dieses ehemaligen bau- und gartenkünstlerischen Kleinods ist als öffentlicher Park zur Zeit für die Bevölkerung und den Tourismus nur bedingt nutzbar. Um weiteren Substanzverlust und Verfall zu stoppen, ist ein gartendenkmalpflegerisches Entwicklungskonzept zu empfehlen. Voraussetzung für dessen Umsetzung sind ausreichende finanzielle und fachlich-personelle Kapazitäten. Auch noch heute gilt das vor rund 200 Jahren formulierte gartenkünstlerische Motto.


„Nichts gedeiht ohne Pflege und vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert.“

 Peter Joseph Lenné (Preuß. Hof-Gartenkünstler 1789-1866)



Helga Stange und Sabine Wagner

Der ehemalige Gartenbaudirektor in Frankfurt / M. und Professor für Gartenkunstgeschichte und Gartendenkmal-pflege in Erfurt, Frank Blecken, konnte erneut die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste des Geschichtsvereins mit seinem Vortrag begeistern. Dieses Mal ging es um den „Pflugensberg“, ein denkmalsgeschütztes Ensemble, das aus Villa, Park und Teilen des Stadtwaldes besteht, einen hohen bau- und gartenkünstlerischen Wert besitzt und deshalb unter Denkmalschutz steht.

Bereits im frühen 18. Jahrhundert sind in diesem Areal Küchen- und Obstgärten belegt. Vor der Villa stand hier oben das Gartenhaus des Oberjägermeisters Otto von Pflug, was der Anhöhe 1725 ihren Namen gab.