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Di 14.05.2013 18:30 - "Juristen - böse Christen" (Martin Luther).                                      Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Lingelbach

      

Auf dem letzten Vortragsabend des Geschichtsvereins vor der Sommerpause ging Prof. Dr. Lingelbach von der Universität Jena der verdichteten Kritik Martin Luthers am Juristenstand seiner Zeit auf den Grund. Gerichtet war diese ernste moralische Anklage an habgierige Juristen, die an der Seite der Mächtigen standen und mit ihren Spitzfindigkeiten listig das Recht der Armen beugten ohne auf die Wahrheit zu achten.


Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen hin zur frühen Neuzeit wurde aus dem "guten alten" Recht, das von vielen Gewohnheiten geprägt war, ein verweltlichtes verwissenschaftlichtes aufgeschriebenes Recht,

“Juristen - böse Christen -”

Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Lingelbach


das nur von wenigen Studierten beherrscht wurde. Dieser Wechsel im Rechtsverständnis und in den Rechtsstrukturen hatte sich bereits knapp 200 Jahre zuvor in Oberitalien vollzogen und erreichte nun im 14./15. Jahrhundert Mitteleuropa. Mit der Entwicklung des Gelehrtenstandes sprachen nicht mehr Laien Recht, sondern Gelehrte in einer doppelt fremden Sprache: Latein und im Fachterminus.


Luther kannte sich in der Materie aus, hatte er doch auf Wunsch seines Vaters in Eisenach perfekt Latein gelernt und in Erfurt begonnen Jura zu studieren. Seine Kritik richtete sich insbesondere gegen die spitzfindige Buchgelehrsamkeit der damaligen Kirchenrechtler.


Universitätsprofessor Dr. iur. habil. Gerhard Lingelbach ist in Greiz (Ostthüringen) geboren und Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Deutsche Staats- und Rechtsgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er ist Herausgeber mehrerer Bücher und Verfasser von über 140 Aufsätzen.



Helga Stange