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Di 08.11.2011 18:30

"Geschichte von Schloss und Park Wilhelmsthal"    Vortrag : von Dr.-Ing. Daniel Rimbach


Die Anlage trägt erst seit 1699 diesen Namen und ist nicht mit dem gleichnamigen Wilhelmsthal bei Kassel zu verwechseln (was im Laufe der Zeit doch schon vorgekommen ist und z. B. Motive auf Ansichtssammeltassen beweisen)!


Vorher hieß dieser Ort "Wintershausen" - wohl nicht zuletzt deshalb, weil es hier immer ein paar Grad kälter war als beispielsweise in Bad Liebenstein.


Bereits Kurfürst Johann der Beständige (reg. 1525 - 1532) hatte hier ein beliebtes Jagdrevier mit Pferde- und Hundeställen.


Unter Johann Georg I von Sachsen - Eisenach wurden ab 1670 neben Jagdunterkünften und Stallungen auch ein prunkvolles Jagdhaus errichtet, in dem der Herzog am 19. September 1686 während der Jagd starb.


1698 bis 1703 ließ Herzog Johann Wilhelm von Sachsen - Eisenach ein neues Jagdhaus erbauen, das nach ihm "Wilhelmsthal" genannt wurde. Ab 1709 bis 1719 entstand an dessen Stelle unter Hof-baumeister Johann Mützel eine barocke Sommerresidenz. In dieser Zeit wurde die bis heute prägende Grundstruktur der Anlage - eine lockere Aufreihung von Pavillons beiderseits einer straßenähnlichen Achse - geschaffen. Selbstverständlich legte man auch einen terrassierten Barockgarten nach dem großen Vorbild Versailles an. Im dazugehörigen Wildgehege tummelten sich bis 1728 weiße Hirsche. Der vorbei fließende Bach Elte wurde 1712 zu einem See angestaut, auf dem man wie in Venedig in einer Gondel fahren konnte. Es gab auch ein Kanonenboot mit vergoldeten Kanonen. Später waren es dann kleinere Boote. Jede Zeit hatte ihre Wassergefährte und die entsprechenden Anlegestellen und Bootshäuser. Etwa 1720 wurde der Festsaal fertig gestellt, der spätere "Telemannsaal" (der einzige profane Uraufführungsort der Werke von Georg Philipp Telemann).


Ab 1741 ließ Herzog Ernst August I von Sachsen-Weimar-Eisenach seinen Landesbaumeister Gott-fried Heinrich Krohne einige Bauten im Rokokostil ersetzen.


Die Phasen reger Bautätigkeit wechselten aber immer wieder mit Zeiten ab, in denen das Schloss-Garten-Ensemble Wilhelmsthal im Dornröschenschlaf lag.


In der Zeit von 1795 bis 1806 erfolgte dann die Umgestaltung in einen Landschaftsgarten mit klassizis-tischen Ergänzungsbauten am Schlossensemble. Dadurch verschob sich das Zentrum der Anlage nach Westen zum s. g. "Neuen Schloss", das sich im See widerspiegelte. Stimmungsträger und Blick-ziele waren auch die neue Schweizerei (1801) mit der Felsenschlucht und das Waldhaus (1805-06) mit einer Mühle. Es entstand ein völlig anderes Landschaftsbild mit geschwungenen Wegen und Blickachsen zu den Hängen des Thüringer Waldes. Nadelgehölze wurden angepflanzt, um Kontrastpunkte zum vorherrschenden Buchenwald zu setzen. Eine weitere Besonderheit war der "Blumenkopf", ein über 1000 m² großes erhöhtes Blumenbeet.

Vom barocken Schmuck dagegen wurde sich radikal getrennt. Man erzählt sich, dass Johann Wolf-gang v. Goethe mit großer Freude barocke Skulpturen umgestoßen haben soll, die ihm missfielen. Ein Gerücht? Im See wurde eine versenkte Frauenskulptur gefunden. Wieder andere Teile des aufwendi-gen Skulpturenschmucks hat man ins Roesesche Hölzchen verkauft. Goethe war mehrmals Gast auf Schloss Wilhelmsthal. Er hatte sicher auch diesen Ort im Hinterkopf, als er seine "Wahlverwandschaf-ten" schrieb. Aber er war kein Freund der Jagdgesellschaften, die in Wilhelmsthal stattfanden und "flüchtete" oftmals lieber auf die Wartburg.


Nach den Vorstellungen des Herzogs Carl Alexander und des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau wurde 1853 bis 1855 der Landschaftsgarten unter Mitwirkung der Gartengestalter Hermann Jäger und Eduard Petzold zu einem Naturpark umgestaltet und so die umgebende Landschaft noch wirkungsvoller einbezogen. Die historische Wegestruktur ist im Wesentlichen bis heute erhalten geblieben und konnte bei den diesjährigen Gestaltungsmaßnahmen wieder freigelegt werden. Die Wege waren ursprünglich leicht eingesenkt. So entsteht von Ferne die Illusion, die Personen würden über eine Wiese spazieren. Da dies heute nicht mehr der Stand der Technik ist, so Dr. Rimbach, lie-gen die Wege heute teilweise nur noch 3 bis 5 cm tiefer als die Grasfläche.


Um 1910 fanden die letzten künstlerisch motivierten Gestaltungsmaßnahmen statt.

Im 2. Weltkrieg wurde das Objekt von der Wehrmacht als Lazarett und Lager genutzt.

Nach 1945 bis 1990 zogen in Wilhelmsthal ein Kinderheim und Kinderferienlager (Pionierlager "Maxim Gorki", ein Ferienlager "Nikolai Ostrowski") ein. Die Anlage wurde während dieser Zeit entsprechend ihrer Nutzung umgestaltet (Anbauten und Errichtung neuer Gebäude).



Nach der Wende verfiel die nun leer stehende Anlage zunehmend. 1997 wurde der "Förderverein Wilhelmsthal e. V." gegründet, der die Anlage wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte. Im Jahr 2009 erfolgte glücklicherweise die Übernahme der Förderung des öffentlichen Teils durch die "Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten". Spät - aber nicht zu spät!


Seitdem hat man viel erreicht. (s. dazu Zeitungsartikel TA vom 16.11.2011)


Das Plädoyer des Referenten:

Wilhelmsthal funktioniert nur in einer intakten Landschaft! Deshalb muss es von großflächigen Infra-strukturprojekten freigehalten werden. Die Landschaftsarchitekten arbeiten hier mit der Weite der Landschaft - weiten Wiesenflächen mit Bäumen im Einzelstand, die sich entwickeln können. So soll ein heller Lichtblick mit dunklen Kontrastpunkten in einem "unbegrenzten" Landschaftsgarten entste-hen, der in die gestaltete Wartburglandschaft übergeht.


Die Spuren einer durchdachten Gesamtanlage sind sichtbar geworden! Um das Gesamtkunstwerk aber wieder in seinem alten Glanz erstrahlen zu lassen, sind jedoch noch viele Schritte (und finanziel-le Mittel) notwendig.


Von Helga Stange und Sabine Wagner


Die "Geschichte von Schloss und Park Wilhelmsthal", war das Thema der jüngsten Veranstaltung des Geschichts-vereins am 08.11.2011 im Martin-Luther Gymnasium, die wiederum  sehr gut besucht wurde.

Es referierte Dr. Ing. Daniel Rimbach (Dipl. Ing. für Landschaftsarchitektur), der von der Stiftung "Thüringer Schlösser und Gärten" mit dem denkmalpflegerischen Gutachten und dem Wiederherstellungs-verfahren der Anlage beauftragt worden war.


Dr. Rimbach nahm die große Schar seiner Zuhörer mit auf eine interessante Zeitreise durch die Jahrhunderte von Schloss Wilhelmsthal.