Geschichtsverein Eisenach e.V. © zuletzt geändert am :  13.06.2017 / 14:38 Uhr   | Impressum

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Die Einweihung der Stele für den Hofkapellmeister Georg Philipp Telemann am Telemannplatz zwischen Hauptpost und Georgenschule erfolgte in unmittelbaren Anschluss an den 200. Kantaten-Gottesdienst.           Foto :  Norman Meißner

                  

"Es hat bis ins 20. Jahrhundert gedauert, bis die Musikgeschichtsschreibung bereit war, neben Bach und Händel auch Telemann zu akzeptieren", betont Claus Oefner am Georg-Philipp-Telemann-Platz vor der Eisenacher Hauptpost.


Eisenach. Umsomehr freut es den Telemann-Verehrer, Musikkritiker und einstigen Bachhaus-Leiter, dass nach der Platzumbenennung im Juli dieses Jahres nun auch die Telemann-Stele unweit des Wirkungsortes an das Schaffen des Kirchenmusikers in der Wartburgstadt erinnert.

Damit werde nach Luther und Bach im Eisenacher Stadtbild nun eines weiteren Meilensteines der deutschen und europäischen Musikgeschichte gedacht, so Oefner. Telemann, der von 1708 bis 1712 hier als Konzert- und Hofkapellmeister wirkte, wohnte in der Unteren Predigergasse und ist auf seinem Weg zur Georgenkirche am Aufstellungsort sicher stets vorbeigekommen.


Knapp 150 Gäste


Am 1. Advent 1710 erlebte die Telemann-Kantate "Nun komm der Heiden Heiland" die Uraufführung in der Georgenkirche. Jetzt, genau 302 Jahre später, erklang das Werk zum 200. Kantatengottesdienst des Eisenacher Bachchores erneut am selben Ort. Bewusst suchten die Initiatoren der Stele diese Parallele für die feierliche Aufstellung, der knapp 150 Gäste bewohnten. Zur Platzumbenennung im Sommer hatte der Posaunenchor mit einem starken Platzregen zu kämpfen - diesmal verschonte ein heftiger Flockenwirbel Musiker und Instrumente nicht.

Oefner glaubt, dass es gerade dem Themenjahr "Reformation und Musik" zu verdanken sei, dass Telemann nun in der Bachstadt akzeptiert werde. "Auch Eisenach hat sich lange auf Bach allein ausgeruht", sagt der einstige Bachhausleiter. Gerade Telemanns erster Kantatenjahr-gang 1710/11, den der Kapellmeister für Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach schuf, sei Vorbild für fast alle komponierenden Zeitgenossen einschließlich Bach gewesen. Noch 1730 habe Telemann aus Frankfurt und Hamburg seine Kantaten zur Aufführung nach Eisenach geliefert. "Wenn man so will, könnte man die Georgenkirche als Geburtstätte der protestantischen Kirchenkantate bezeichnen", unterstreicht Oefner in seiner Festansprache.


Den Obelisken schenkte der Eisenacher Fritz Walther der Stadt. Er hatte die Aufstellung angeregt. Die Stele schuf Andreas Schäfer aus schlesischem Marmor. "Ich habe den gleichen Stein wie beim Dorothea-Grimm-Stein auf dem Alten Friedhof verwendet", erzählt der Eisenacher Steinmetz. Material, Form und Gravur der Stele passe bestens in die Zeit Telemanns. Der Obelisk an der Georgenschule wurde in Sichtachse zur Georgenkirche aufgestellt. "In der Werkstatt kam uns der 1,80 Meter hohe Stein viel zu groß vor", erzählt Schäfer, der glücklicherweise im Vorfeld mit einer Pappkarton-Stele an Ort und Stelle die perfekte Steingröße "auskundschaftete".


Unterstützer


Neben dem Eisenacher Geschichtsverein unterstützte auch die Sparkassen-Stiftung der Wartburg-Region, die 5000 Euro spendierte, das Projekt. So konnten auch die Treppenstufen, die zur Georgenschule und nun auch zur Telemann-Stele führen, instandgesetzt werden.




Norman Meißner / 04.12.12 / TLZ

Komponist Telemann bekommt Gedenk-Obelisken in Eisenach